Fr 11 Mai 2007
11. Mai 2007
Gegen 13.30 Uhr sind wir auf dem Campingplatz Läckö gleich neben dem Schloss, so quasi im angrenzenden Schlosswald und wollen einchecken. Die Reception ist geschlossen und auf unseren Anruf auf der Tafel aufgeführten Nummer erklärt uns ein freundlicher Herr, dass der Campingplatz erst ab 15. Mai geöffnet ist. Nun, wenigstens scheint das Schloss bereits teilweise aus dem Dornröschchenschlaf erwacht und es wird uns bestätigt, das Führungen (ohne kann das Schloss übrigens nicht besichtigt werden) stündlich stattfinden. Bleibt also noch kurz Zeit, mit Mandra die Gegend rund um die Schlossgegend zu erkunden und sich dann hurtig auf den Weg ins Schlossinnere zu machen.
Schloss oder eben Slott Läckö wurde im 13 Jh. von den Bischöfen von Skara gegründet und diente als Fluchtburg aber auch als Festung für Pilger auf dem Weg ins heute norwegische Trondheim zum Grab des heiligen Olav. Ineressant wird das Anwesen allerdings erst ab 1615, dann erhiel der Feldherr Jakob De la Gardie das inzwischen zur Grafschaft erhobene riesige Anwesen von Löckö. Zusammen mit seiner Gemahlin Edda Brahe veranlasste er einen grosszügigen Umbau mit Erweiterungen des Schlosses, und die Schlossführungen finden in diesen Räumen sowie der Kapelle statt.
Die Familie Lauener kommt in Genuss einer fast privaten Führung. Zu uns und Inga, unserem Tourguide, gesellen sich noch zwei ältere schwedische Herren. In den verschiedenen Gemächern und Empfangsräumen erfahren wir so einges über die Eigentümer und ihre Zeit und beeilen uns, die Informationen jeweils simultan unseren Jungs, natürlich vor allem Laurent, weiterzugeben. Da gibt es nämlich Geschichten, die sind auch für Kinderohren interessant: zum Beispiel ist jeder Raum nummeriert und diese Nummer steht jeweils gut sichtbar an den Wänden. Die Schlossbesitzer hatten nämlich verschiedene Anwesen, die sie alle besuchten, aber da das Mobiliar teuer war und nicht alle Schlösser damit ausreichend ausgestattet werden konnten, wurde das Mobiliar jeweils mit auf die Reise genommen und da war es natürlich praktisch, wenn die Untertanen wussten, wo alles hingestellt werden musste. Und eine weitere Episode ist auch die Begebenheit, dass der Schlossherr, ein Liebhaber der Symmetrie, in einem Raum 4 Türen - jeweils zwei gegenüberliegend - einbauen liess. Allerdings erfüllten nur gerade zwei wirklich ihren Zweck, die anderen waren bloss Attrappen und dahinter stand das Mauerwerk. Unsere sonst so quirligen Jungs lauschen unseren Ausführungen und sind sicherlich auch beeindruckt von den hohen, düsteren (da wenig Tageslicht eindringt) Räumen. Auf alle Fälle zeigen sie sich von der besten Seite und unsere Schlossführerin meint anschliessend, solche Kinder wären eher die Ausnahme (nun, vielleicht müsste sie mal Mäusschen im Camper spielen….).
Apropos, Ihr seid ja eigentlich nicht in erster Linie an den schwedischen Sehenswürdigkeiten interessiert sondern Ihr wollt wissen, wie es bei Lauener’s im Camper zu und her geht? Nun, da kommen ja die gestrigen Schnappschüsse gerade recht, die Ihr im Fotoalbum bewundern könnt. Natürlich gibt es tolle und weniger angenehme Begebenheiten. Aber wenn die ganze Familie dem Regen zuzuschaut, wie er auf den Boden trommelt, derweil man gemütlich im warmen Camper bei heisser Schoggi und Salamibrötli sitzt, gehört auch zu den ganz schönen Erlebnissen.
Mit dem Schlafen der Jungs haben wir immer noch nicht ganz den Dreh raus, manchmal finden sie halt einfach die Ruhe nicht, weil der Tag so abwechslungsreich ist. Aber inzwischen müssen wir uns nicht mehr aufteilen, und beiden Jungs schlafen in der gleichen Koje….
Mandra hat sich inzwischen häuslich eingelebt. Eigentlich ist ihr Platz ja unter dem Tisch im Korb. Wer unseren Hund kennt, weiss, dass sie Ausschau nach erhöhter Position hält. Und die hat sie nun auch gefunden: sind wir nicht im Camper, sitzt sie nun ganz selbstbewusst hinter dem Steuer, meist zusammengerollt aber auch neugierig und natürlich wird auch zwischendurch reklamiert, wenn sich Zwei- und Vierbeiner zu Nahe an unser Gefährt wagen. Wir haben den Sitz nun mit einem Tuch bedeckt - unsere Haftpflichtversicherung wird eh schon etwas strapaziert und da möchten wir wenigstens die Führerkabine einigermassen “hundehaarfrei” lassen.
Übernachten tun wir diese Nacht übrigens auf einem 5 Sterne Campingplatz - dem besten in Schweden - wie eben der freundliche Herr zu Beginn des heutigen Tagesberichts, erklärte. Er befindet sich in Lidköping am Vättern See, eines der grössten Binnenmeere Europas. Den Luxus, welchen wir uns heute leisten, ist das Abendessen im Restaurant (eines der wenigen Campingrestaurants auf unserer Reise, welches schon geöffnet hat) und wir stellen fest: trotz fünf Sterne, die Pizza von unserem Dorfitaliener in Erlenbach ist um Längen besser…..
Morgen fahren wir in den Tiveden Nationalpark, der in der Nähe der grossen Seen liegt. Er tönt vielversprechend und abenteuerlich. Hoffentlich können wir Euch morgen mehr darüber erzählen.
PS: und fast hätte ich es vergessen: ganz herzlichen Dank für Eure Unterstützung in Sachen Edelsteine. Sollte es wieder regnen, haben wir für Laurent einen virtuellen Ausflug zu Wikipedia parat